Schlagwort-Archive: Urwald

Normalpinguin


Ich möchte euch eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte, die mir auch jetzt, nach so vielen Jahren, noch im Gedächtnis ist, als währe sie mir erst gestern erzählt worden. Auch eine Frau kommt darin vor! Ihr Name war – nun sagen wir mal ihr N war Annelise Käterchen. Und ich war – sagen wir mal ich war Otto von Normalpinguin. Mein Schwanz war damals ganz lang und stark. Majestätisch reckte er sich über meinen Kopf und jeder Staunte über seine Beweglichkeit. Ja, das waren noch glückliche Zeiten: Kein anderer konnte damals gegen mich antreten. Ich war der Stärkste und hatte am Meisten Kondition außerdem kam ich schnell wie ein Kaninchen, das man aus dem 15. Stock eines Hochhauses fallen lässt und konnte schon einen Lidschlag später wieder verschwunden sein. Vor wie vielen Jahren es war, ob es ein Montag oder Donnerstag war kann ich nicht sagen, doch die Sonne schien hoch von den Wipfeln der Umgebenden Bäume und tauchte unser Spiel ein einen tiefgoldenen Schein. Ich flog durch die Luft und griff einen Ast nur um mich im nächsten später schon wieder im Flug zu befinden. Doch meine Rosa-Grüne Stimmung färbte sich plötzlich Tiefgrau als ich einen Ast verpasste und wild jodelnd in die Tiefe stützte. Immer schneller flogen die Blätter an mir vorbei bis ich sie nur noch als eine psychedelische Masse wahrnehmen konnte. Mein Verstand begann zu driften, wanderte zu der Koalafamilie, die weit unter mir Familienrat abhielt, zu dem Kolibri, der neben mir sein Spiel spielte, zu den Wassertröpfschen die wie winzige Diamanten im Schein der aufgehenden Sonne funkelten und der Szenerie etwas merkwürdig Arrogantes gaben, etwas „Ich bin viel besser als andere Szenerien“. In diesem Moment riss mich etwas aus meinen Gedanken und mit diesen Gedanken verschwand auch die kurze Anwandlung heilsamen Größenwahns. Ich erkannte nun auch, was mich aus meiner Trance gerissen hatte: Über mir schwebte ein Koala-Familienrat der offenbar versuchte mich im Schnellverfahren wegen unangebrachter vertikaler Beschleunigung Unbeteiligter zu verurteilen. Die Richter richteten, doch das Urteil konnte nicht vollstreckt werden, denn in diesem Augenblick fielen ich und die Koalas wie Reife Äpfel auf den Humusboden, wobei die Koalas mich offenbar für ein Sprungtuch hielten. Für einen Moment blieb ich liegen, denn ich hatte das Bewusstsein verloren nach einigen Minuten kam ich jedoch wieder zu mir und reckte alle Glieder. Irgendetwas fühlte sich merkwürdig an, da stimmte etwas nicht: langsam drehte ich mich um die Eigene Achse und sah an mir herunter. Da wo früher mein Schwanz gewesen war, klaffte nun ein 3 cm tiefes Loch und als ich das sah durchzuckte mich die Erkenntnis wie der Blitz den Supraleiter: Mein Schwanz mochte mich nicht mehr, hoffentlich wird er als Liane glücklich dachte ich mir und begutachtete das Namensschild eines Koalas auf dem Käterchen stand.